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Standorte

Luchspeilungen und Zufallsbeobachtungen im 3. Quartal 2005

Allgemeines

Seit dem 1. Januar 2004 läuft die zweite Phase des Projektes LUNO, die mit wesentlich weniger finanziellen Mitteln auskommen muss. Um den Aufwand zu optimieren, wird deshalb die Standortkarte auf dieser Seite nicht mehr monatlich, sondern neu vierteljährlich aktualisiert. Diese Standortkarte wird etwa 1 Monat nach Ablauf des jeweiligen Quartals publiziert.

Die genauen Aufenthaltsorte der Luchse liessen sich früher dank der regelmässigen radiotelemetrischen Überwachung der Tiere angeben. Heute ist nur noch das Senderhalsband von TURO in Funktion. Alle übrigen Senderhalsbänder sind aus technischen Gründen verstummt. Deshalb enthalten die Karten, die alle Vierteljahre publiziert werden, nur mehr wenige Informationen.

Über die Aufenthaltsorte der nicht mehr peilbaren Luchse ist wenig bekannt. Mit Sicherheit nicht mehr im Gebiet sind die drei Luchse ROCO, VINO und AYLA. ROCOs Peilsender verstummte wenige Monate nach seiner Aussetzung abrupt; sein Revier wurde in der Folge von anderen Kudern übernommen. VINO erlag am 22. Mai 2003 einem Herzleiden, das bereits bei seiner Umsiedlung festgestellt worden war. AYLA war anfangs März 2004 bei Rüthi im St. Galler Rheintal überfahren worden.

 


Anmerkung: Halten sich zwei Luchse an demselben Ort auf, überlagern sich die Punkte. Folglich erscheint nur einer auf der Karte.
© KORA GIS; Digitale Kartengrundlage: Vektor 200 - 1996 Bundesamt für Landestopographie, Gewässer, Höhenmodell RIMINI - Bundesamt für Statistik GEOSTAT / © 2005 swisstopo (JD032396)

 

Angaben zu den einzelnen Luchsen

aktualisiert am 16.12.2005

NURA
Im Monitoring 2004/2005 nachgewiesen
(Alpenluchs; Freilassung am 5. März 2001)
Nach ihrer Freilassung im Wildschonrevier Tössstock hatte sich Nura nach Südosten bewegt. Sie hielt sich sich zunächst im Raum östlich der Speerkette auf. Seit Januar 2002 können von NURA aufgrund eines Senderdefektes keine Funksignale mehr empfangen werden. Im April 2003 konnte ihre Anwesenheit im bisherigen Streifgebiet mit einer Fotofallenaufnahme belegt werden. Ende August 2003 beobachtete ein Wildtierbiologe NURA in Begleitung eines Jungtieres. Ob sie im Jahr 2004 ebenfalls Junge geworfen hatte, ist nicht bekannt geworden. NURA wurde im Rahmen des Monitorings im Winter 2004/2005 mittels Fotofalle festgestellt und hat offenbar ihr Territorium nach Westen ausgedehnt. Sie wurde im Spätsommer 2005 zuerst mit drei, später mit zwei Jungtieren beobachtet. Eines ihrer Jungtiere wurde am 3. November in Betlis, Gemeinde Amden, aufgegriffen und in eine Pflegestation gebracht. Im Alter von etwa 5 Monaten allein umherstreifende Jungtiere haben wenig Überlebenschancen. Oft suchen sie dann die Nähe menschlicher Siedlungen. Allein unterwegs sind solche Jungtiere, weil sie den Kontakt zur Mutter verloren haben. Dabei kann sich ein Jungtier zu weit von der Mutter entfernt haben und sie nicht mehr wieder finden. Es kann aber auch sein, dass die Mutter tot ist.
Der Vater des in Betlis aufgegriffenen Jungtieres ist der Jungluchs B88, der als Sohn von BAYA und (vermutlich) ODIN 2003 im Projektgebiet geboren worden ist.


VINO
Am 22.05.2003 tot augefunden
(Alpenluchs; Freilassung am 5. März 2001)
Vino wurde am 22. Mai 2003 auf dem Gemeindegebiet von Amden tot aufgefunden. Er war den Folgen einer Herzerkrankung erlegen (vgl. Pressemeldung vom 13. Juni 2003). Ob sich Vino am Fortpflanzungsgeschehen im Untersuchungsgebiet beteiligt hatte, konnte mit genetischen Analysen bis anhin nicht geklärt werden.


AURA
Im Monitoring 2004/2005 nicht nachgewiesen

(Alpenluchs; Freilassung am 23. März 2001)
Aura wurde im Toggenburg ausgesetzt. Sie hat sich nie weit von ihrem Aussetzungsort entfernt und lebte, so lange sie telemetrisch überwacht worden war, stets im Raum Speer. Seit dem 15. Juni 2004 können von AURAs Halsbandsender keine Signale mehr empfangen werden. Im Monitoring 2004/2005 konnte sie nicht nachgewiesen werden. Bisher konnte nicht belegt werden, dass sie sich am Fortpflanzungsgeschehen im Projektgebiet beteiligt hatte.


ODIN
Im Monitoring 2004/2005 nicht nachgewiesen

(Alpenluchs; Freilassung am 23. März 2001 Freilassung von Odin in einem Kurzvideo [2.8MB] © Urs Breitenmoser, im MPEG-Format)
Der im Toggenburg ausgesetzte ODIN hatte sich nach einer ausgedehnten Wanderung im Frühling 2001 einstweilen im Raum Alpstein angesiedelt. Nach dem unerklärlichen Verschwinden von ROCO drang er im Juni 2002 ins Alviergebiet ein. Bis zum Senderausfall im Dezember 2002 konnte seine Anwesenheit im neuen Streifgebiet mittels Telemetrie belegt werden. Dass er noch bis ca. März 2003 in seinem Territorium unterwegs gewesen war, ist belegt durch die Existenz seines Sohnes B88, der 2003 geboren worden war. ODIN wurde im Rahmen des Monitorings im Winter 2004/2005 mittels Fotofalle nicht dokumentiert.


ROCO
Seit dem 29.08.2001 nicht nachgewiesen
(Alpenluchs; Freilassung am 8. April 2001; verschwunden seit dem 29. August 2001 im Alviergebiet)
Roco wurde im Wildschonrevier Tössstock freigelassen, wanderte nach einer Exkursion in den Raum Turbenthal/Tösstal nach Südosten und besetzte das Gebiet Alvier. Am 28. August 2001 konnten zum letzten Mal Peilsignale von Roco empfangen werden. Sowohl die fortgeführte Suche im bisherigen Streifgebiet wie die grossräumigen Bemühungen, Signale aufzuspüren, blieben erfolglos. ROCOs Lebensraum wurde bald von VINO und später von ODIN übernommen. Daraus kann geschlossen werden, dass sich ROCO zum Zeitpunkt der Übernahme seines Wohngebietes durch die Nachbarn nicht mehr dort aufgehalten hatte.
(vgl. Pressemitteilung vom 20. September 2001)


BAYA
Im Monitoring 2004/2005 nicht nachgewiesen
(Alpenluchs; Freilassung am 20. April 2001)
Baya wurde ebenfalls im Wildschonrevier Tössstock freigelassen. Sie hielt sich vorerst längere Zeit in der Umgebung des Aussetzungsortes auf, wanderte dann ins Obertoggenburg und liess sich im Churfirstengebiet und im Raum Alvier nieder. Von da an lebte sie in Werdenberg, im Toggenburg und im St. Galler Oberland nördlich der Seez. Genau ein Jahr nach dem Senderausfall konnte BAYA wiedergefangen und am 17. November 2002 mit einem neuen Halsbandsender ausgestattet werden. Bei dieser Aktion konnten auch ihre beiden Jungen gefilmt werden, die im Frühjahr 2002 zur Welt gekommen sind. Im Mai 2003 hatte BAYA ein zweites Mal Nachwuchs (ein Weibchen und das Männchen B88); im August und im Oktober 2003 bestätigten Direktbeobachtungen, dass beide Jungtiere noch am Leben waren. Seit April 2003 blieben BAYAs Peilsignale verstummt. Ob Baya auch 2004 Jungtiere zur Welt gebracht hatte, blieb ungeklärt.
BAYA wurde im Rahmen des Monitorings im Winter 2004/2005 nicht dokumentiert.


TURO
Im Monitoring 2004/2005 nachgewiesen und mit Satellitentelemetrie überwacht
(Juraluchs; Freilassung am 26. Januar / 24. März 2003)
Turo hatte sich nach seiner Freilassung wochenlang im unmittelbaren Umkreis des Aussetzungsortes aufgehalten. Anfangs März hatte er - wohl auf der Suche nach Anschluss - die Autobahn A1 und anschliessend auch den Rhein überquert. In der Nacht vom 7. auf den 8. März konnte er im Kanton Schaffhausen wieder eingefangen werden. Am 24. März wurde er gleichzeitig mit den beiden Weibchen AIKA und AYLA am Tössstock erneut freigelassen und wanderte von dort Richtung Nordwesten bis in die Agglomeration Zürich. Dabei überwand er unbeschadet Nationalstrassen, Autobahnein- und -ausfahrten und stark befahrene Kantonsstrassen. Er durchquerte besiedelten Raum im Norden und Osten der Stadt Zürich und verschob sich dann entlang der Pfannenstielkette im Norden des Zürichsees bis nach Wurmsbach/Jona im Kanton St. Gallen. Dort kehrte er um, verweilte erneut einige Zeit in den Wäldern der Pfannenstielkette und hielt sich während des ganzen Sommers und Herbstes 2003 in der Umgebung von Zürich auf. Im Spätherbst 2003 unternahm er wiederholt Ausflüge in Richtung Pfannenstil, kehrte aber mehrfach nach Zürich zurück und blieb 2004 während vieler Monate am Pfannenstiel. Am 3. November wechselte er ins Gebiet Tössstock. Dort angekommen veränderte er sein Raumverhalten und lebte nicht mehr wie am Zürichberg und am Pfannenstil auf kleinstem Raum, sondern unternimmt ausgedehntere Streifzüge über das ganze Tössstockgebiet. TURO verblieb in diesem Raum, fand dort das Weibchen NEMA und hat sich 2005 (vermutlich) mit ihr fortgepflanzt. Im November konnte im Raum Tössstock ein Jungtier beobachtet und fotografiert werden. Im Rahmen des Monitorings im Winter 2004/2005 mehrfach dokumentiert. TURO wird mit Satellitentelemetrie überwacht.


AIKA
Seit November 2003 in den Glarner Voralpen unterwegs
(Juraluchs; Freilassung am 24. März 2003)
Aika hatte bald nach ihrer Freilassung am Tössstock die Linthebene durchquert und wanderte entlang den Schwyzer Voralpen und der Albiskette und über den Mutschellen bis zum Zusammenfluss von Aare, Reuss und Limmat bei Brugg. Dort kehrte sie um und verbrachte den Sommer 2003 im Albisgebiet. Ende Oktober verliess sie ihren Sommerlebensraum 2003 und wanderte wieder ostwärts. Seit Anfang November 2003 hält sie sich nun in den Glarner Voralpen auf, von wo sie schon mehrere Abstecher an den Rand der Linthebene gemacht hat. Im Herbst 2004 unternahm sie einige Ausflüge in den benachbarten Kanton Schwyz und hielt sich gegen Jahresende 2004 vor allem im glarnerischen Klöntal auf. Ihr Sender ist ebenfalls ausgefallen. Von AIKA liegt aus dem Frühjahr 2005 eine glaubhafte Beobachtung durch Drittpersonen vor.

 

AYLA
Im März 2004 tot aufgefunden; überfahren
(Juraluchs; Freilassung am 24. März 2003)
AYLA, die einjährige Tochter von AIKA, verliess das Tössstockgebiet nach ihrer Freisetzung und machte sich auf den Weg nach Südosten. Sie verweilte einige Zeit im Speergebiet, wanderte dann weiter ostwärts und liess sich am westlichen Rand des St. Galler Rheintals nieder. Anfangs März 2004 wurde sie bei Rüthi (SG) überfahren. Ihr Verlust ist umso bedauerlicher, als sie als Jura-Luchsin hätte frisches Blut in die kleine und junge Luchspopulation bringen können.

 

NEMA
Im Monitoring 2004/2005 nachgewiesen

(Alpenluchs; Einfang und Besenderung am 16. November 2003)
NEMA wurde in der Nacht vom 16. auf den 17. November 2003 südlich der Churfirstenkette eingefangen und mit einem Sender ausgestattet. Daraufhin hielt sie sich vorerst sehr grossräumig zwischen dem Ricken und dem Alvier auf. Anfang Dezember 2003 liess sie sich im Tössstockgebiet nieder. Im Spätsommer 2004 war NEMAs Sender verstummt. Das Tier, das vorest als männlich angesprochen worden war, hatte sich später aufgrund genetischer Analysen als weiblich herausgestellt. Dieses Resultat kann auch erklären, weshalb TURO den raum Tössstock aufgesucht und seither nicht mehr verlassen hat. NEMA dürfte die Mutter jenes Jungtieres sein, das im November im Tössstockgebiet beobachtet und fotografiert worden ist. Belegt ist diese Annahme einstweilen noch nicht. NEMA konnte im Monitoring 2004/2005 mehrfach bestätigt werden.

 

B88
Im Monitoring 2004/2005 nachgewiesen

(Alpenluchs; Jungtier von BAYA 2003; männlich, als Jungtier mit einer Ohrmarke links versehen).
Der Kuder B88 wurde im Verlauf des Monitorings im Winter 2004/2005 in den Räumen Speer und Alvier mehrfach fotografisch dokumentiert. Er ist der Vater jenes Jungtieres, das am 3.11. in Betlis/Amden/Walensee bei einem Bauernhaus aufgegriffen worden ist und nun in einer Pflegestation lebt. B88 hat sich im Alter von knapp 2 Jahren fortgepflanzt, was bisher wohl als möglich angenommen, aber noch nie bewiesen worden ist. Dass sich ein so junges Männchen mit einem erfahrenen Weibchen paart, weist darauf hin, dass in diesem Raum kein älterer und somit dominierender Kuder lebt.

Im Monitoring 2004/2005 sind keine weiteren Luchse nachgewiesen worden. Es ist nicht auszuschliessen, dass mit den zur Verfügung stehenden Methoden und Mitteln ein bis zwei Luchse, insbesondere wandernde Jungtiere, nicht erfasst worden sind.

 

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